5. Januar 2010
Das alte Jahr ist seit nunmehr 5 Tagen vorbei und mit dieser leichten Verspätung trudelt nun auch hier in der Sneakcast-Redaktion meine unvermeidliche musikalische Jahresliste ein. Vorab ein paar lobende Worte: 2009, das war musikalisch gesehen ein fantastisches Jahr! So viele Bands haben sich dieses Jahr ins Zeug gelegt und nicht wenige haben die besten Alben ihrer Karriere abgeliefert. Dies vorweg gesagt möchte ich nun kurz an die besten Alben des Jahres 2008 erinnern:
1. Jack’s Mannequin: The glass passenger
2. The Offspring: Rise and fall, rage and grace
3. The Gaslight Anthem: The ‘59 sound
4. Panic at the Disco: Pretty. Odd.
5. Cute Is What We Aim For: Rotation
6. Feeder: Silent cry
7. Goldfinger: Hello destiny…
8. Simple Plan: Simple Plan
9. Tomte: Heureka
10. Rosenstolz: Die Suche geht weiter
Nach diesem kurzen Rückblick möchte ich auf eine Neueung bei der Bewertung hinweisen. Die diesjährige Top Ten wurde anhand der Durchschnittsqualität der hier aufgeführten Alben gebildet. Diese beruht auf der einzelnen Trackbewertung. Wenn also ein Album 10 Stücke enthält und jedes Stück mit 1 bis 5 Punkten bewertet wird, kann dieses Album maximal 50 Punkte erhalten. Diese Punktzahl geteilt durch die Anzahl der Tracks ergibt die Durchschnittqualität des Albums. Die Angabe über die Gesamtbewertung findet sich jeweils in Klammern hinter dem Namen des Albums.
10. All Time Low - Nothing personal (4,00 von 5 Punkten)
Ungeniert fröhlich, geradeaus frontal abrockender Pop-Punk in Reinstform. So knapp und präzise lässt sich das dritte Studioalbum der Band aus Baltimore, Maryland, am besten beschreiben. Mit dieser Scheibe erlebte die Formation im Sommer in den Staaten ihren kommerziellen Durchbruch und findet mittlerweile auch in Europa immer mehr Anhänger. Anspieltipps: “Weightless”, “Damned If I do ya, damned if I don’t”
9. Meg & Dia: Here, here and here (4,08 von 5 Punkten)
Diese sommertaugliche Scheibe stellt den gelungenen Majorlabel-Ausflug der Frauenrockband Meg & Dia dar. Mit genau der richtigen Mischung aus knackig-charmanten Poprocksongs und verträumten Balladen entern die Mädels (und Jungs) in diesem Jahr Platz 9. Anspieltipps: “What if”, “Bored of your love”, “One sail”
8. The Fray: The Fray (4,10 von 5 Punkten)
Freunde der melancholischen Pianomusik erlebten im vergangenen Februar ihr musikalisches Jahreshighlight. Das zweite Studioalbum von The Fray aus Denver, Colorado, stellte den Vorgänger in den Schatten und bot ausgefeiltere Songs mit mehr Abwechslung. Isaac Hayes’ Gesang ist und bleibt ein Hochgenuss. Anspieltipps: “Syndicate”, “You found me”, Never say never”
7. Placebo: Battle for the sun (4,23 von 5 Punkten)
Eine Band die in Insiderkreisen eher als Kunstobjekt denn als Musikgruppe verstanden wird, kredenzte im Juni ein Album welches meiner Ansicht nach das beste ihrer Karriere darstellt. Battle for the sun ist ein kraftvolles Rockbrett, welches vor unvergesslichen Melodien nur so strotzt. Nur live übertreffen sie das hier auf CD gebannte. Anspieltipps: “Battle for the sun”, “The never-ending why”, “Bright lights”
6. AFI: Crash love (4,25 von 5 Punkten)
Auch AFI haben sich in diesem Jahr ordentlich ins Zeug gelegt, um den Vorgänger (Decemberunderground, 2006) zu übertreffen. Urteil: Mission gelungen! Crash love ist ein fantastisches Album für die Dauerrotation, welches Rock, Pop, genialen Gesang und anspruchsvolle Texte wirkungsvoll miteinander kombiniert. Anspieltipps: “Beautiful thieves”, “Veronica Sawyer smokes”, “Medicate”
5. Green Day: 21st century breakdown” (4,27 von 5 Punkten)
Das langerwartete achte Studioalbum von Green Day enttäuschte auch nicht. Es knüpfte dort an, wo American idiot aufgehört hat und enthielt viele Knaller. Für einen höheren Platz hätte unter den 18 Stücken aber noch mehr Innovatives sein müssen. Anspieltipps: “Viva la Gloria”, “Peacemaker”, “21 guns”
4. Dredg: The pariah, the parrot, the delusion (4,28 von 5 Punten)
Die kalifornische Formation Dredg veröffentlichte im Mai ihr viertes Studioalbum. Bei diesem Konzeptalbum wurde eine Aneinanderreihung von brillianten Midtemposongs durch stimmungsvolle Interludien unterbrochen, sodass diese Platte eine magische Eigendynamik entwickelte, der man sich nicht mehr entziehen konnte. Anspieltipps: “Information”, “Saviour”, “I don’t know”
3. Taylor Swift: Fearless (4,38 von 5 Punkten)
Streng genommen im November 2008 veröffentlicht, schaffte es Taylor Swift dennoch in meine Jahresliste für 2009, unter anderem, weil ich dieses Album auch erst nach dem Abschluss der letzten Jahreliste entdeckte. Es enthält zauberhaften Country-Pop mit zahlreichen Ohrwürmern, perfekt produziert und absolut ansteckend. Anspieltipps: “Love story”, “White horse”, “Tell me why”
2. 30 Seconds to Mars: This is war (4,45 von 5 Punkten)
Dieses brilliante Nachfolgealbum zu A beautiful lie (2005) ist eine Offenbarung, welche 30STM um ein Haar an die Spitze der Jahresliste katapultiert hätte. Die Richtung, welche die Band auf diesem Album einschlagen ist genau so konservativ wie nötig und genau so innovativ wie erwünscht, sodass This is war mit dem Vorgängeralbum auf Augenhöre steht. Anspieltipps: “Kings and queens”, “This is war”, Closer to the edge”
1. Paramore: Brand new eyes (4,54 von 5 Punkten)
Die unangefochtene Krone geht dieses Jahr an… Paramore! Nach ihrem Meilenstein Riot! aus dem Jahr 2007, gelang ihnen mit dem im September veröffentlichten dritten Album der ganz große Wurf: Ein perfekt ausbalanciertes, wildes/ungestümes und emotional/hauchzartes Rockalbum der Extraklasse. Vokalistin Hayley Williams, begleitet von ihren Bandkollegen, erreicht hier ungeahnte Höhen, welche ohne Untertreibung die einpräsamsten musikalischen Momente des Jahres darstellen. Dabei funktioniert der Longplayer über die gesamte Spielzeit in jeder Stimmung. Fazit: Hervorragend! Anspieltipps: “Ignorance”, “Playing god”, Brick by boring brick”, “Looking up”, Where the lines overlap”, “Misguided ghosts”
Diesen Artikel möchte ich mit der Vergabe der Pokale abschließen:
Die Silber-Pokale geht an:
AFI für Decemberundergrund (2006) & Crash love (2009)
Green Day für American idiot (2004) & 21st century breakdown (2009)
Paramore für Riot! (2007) & Brand new eyes (2009)
In diesem Jahr werden keine Gold-Pokale vergeben!
26. Dezember 2009
So, der Moment der Wahrheit ist gekommen. Das am meisten erwartete Album des Jahres 2009 wird rezensiert. Die Spannung war groß, die letzten Wochen vor derm Erscheinungstermin kaum auszuhalten. Jetzt ist es da! Zur Band muss ich ja nicht mehr viel sagen, also komme ich gleich zur Musik.
1. Escape Zu Beginn wird gleich deutlich gemacht, wohin die Reise diesmal geht: Ganz nach oben. Der Moment in dem dem der Hörer zum ersten Mal der Chor die Worte “THIS IS WAR” entgegensingt ist Gänsehaut pur. Ein gelungener Auftakt. 4/5
2. Night of the Hunter Nach dem Intro folgt gleich das erste Stück mit Superlative. Die elektronischen Elemente und der interessante Aufbau sowie Jared Letos famoser Gesang lassen das Stück zum Knaller werden. 5/5
3. Kings and Queens Die erste Single begeistert gerade nach mehrmaligem Hören immer mehr. besonders das Wechselspiel zwischen Strophe und Refrain sowie die epische Breite des Refrains heben das Stück heraus. Großes Kino im Stil von From Yesterday. 5/5
4. This Is War Mit dem vierten Stück folgt das was man einer Band wie 30STM einfach zutraut: Einen unsterblichen Song zu schreiben. This Is War, das ist nicht mehr und nicht weniger als der grandioseste Rocksong des Jahres 2009. Ein genial ausgeklügeltes Arrangement in der Strophe, ein Refrain der (noch mehr als The Kill) vom Hocker reißt und eine Bridge in der eine musikalische Höhe erreicht wird, die man sonst nur bei Angels & Airwaves findet. Das alles sorgt für offene Münder. Absolute Spitzenklasse! 6/5
5. 100 Suns Der akustische Nachklang von This Is War stellt den Ruhepol der Platte und die Entsprechung von A Modern Myth dar. Schön! 4/5
6. Hurricane Nach Night of the Hunter der zweite Song, der verstärkt auf elektronische Elemente setzt. Die Melodie ist klasse und es entsteht eine phantastische, düstere Atmosphäre. Leider ist das Stück mit über 6 Minuten einen Tick zu lang geraten. Deshalb nur 4/5
7. Closer to the Edge Hier legen 30STM etwas offen, das man sonst mit der Lupe suchen musste: Optimismus. Der Song rockt so ungeniert nach vorn, dass es fast unverschämt wirkt und wenn die Bridge auch noch so punktgenau passt, dann weiß man das Stück noch mehr zu schätzen. 5/5
8. Vox Populi Dieses Stück erinnert am offensichtlichsten an Angels & Airwaves. Leider gelingt es nur bedingt, den Panorma-Refrain so auszubreiten, dass es auf Dauer überzeugt. Dennoch holen die Strophen und die Bridge einiges heraus. 4/5
9. Search and Destroy Ein weiteres eher positives Stück, welches auch sehr ins Ohr geht. Es ist sehr gut gelungen, aber leider fehlt der letzte Schliff. 4/5
10. Alibi: Neben dem ruhigen 100 Suns das einzige Stück, was man als Ballade bezeichnen könnte. Und was für eine! Das große Plus hierbei ist die Authentizität. Hier wirkt nichts bemüht, gekünstelt oder zurechtgebogen. Es ist wie es sein soll. Daher 5/5.
11. Stranger in a Strange Land Das letzte Stück fällt in die Kategorie “puristisches, elektronisches Experiment”. Es ist fast 7 Minuten lang und sehr schwergängig und wenig eingängig. Es wird ein komplexer Soundteppich entfaltet, welcher sich jedoch deutlich sperriger gestaltet als der Rest des Albums. 3/5
So da ist es nun! This Is War, das am meisten erwartete Album 2009. Ich muss sagen, dass es meinen Erwartungen zu 95% gerecht geworden ist. Warum nur 95? Tja, diesmal liegt es nur an kleineren Nuancen, warum dieses Album die begehrteste Auszeichnung des Musikjahres (den Titel des “Albums des Jahres”) nicht verdient. This Is War ist ein von vorne bis hinten in sich stimmiges Album, welches sich durch eine fantastische Produktion, Abwechslungsreichtum und die perfekte Gesangsleistung Jared Letos auszeichnet. Unter diesem Voraussetzungen wäre es ein Klacks gewesen, die Spitze meiner persönlichen Jahrescharts zu entern. Allerdings wird an manchen Stellen das musikalische Panorama etwas zu weit ausgebreitet, sodass die Geduld des geneigten Hörers auch mal auf die Probe gestellt wird. Für diese Geduld wird man zwar immer belohnt, es erfordert jedoch auch, dass man 1. in der entsprechenden Stimmung ist und 2. sich vollkommen auf die Musik einlässt. Sind diese beiden Faktoren gegeben erhält man mit This Is War ein fantastisches Gesamtkunstwerk, welches A Beautiful Lie in nichts nachsteht. Aus diesem Grund erhält dieses Album ebenfalls 4 1/2 von 5 Sternen, landet in der Jahresliste aber nur auf dem zweiten Platz.
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(1 Stimme(n), durchschnittlich: 4.00 von 5)
Links zum Beitrag:
- "Kings and Queens" (Musikvideo mit Intro)
14. November 2009
So nun schreibe ich also eine 30 Seconds to Mars-Rezension. Was mich dazu bringt? Die unendliche Vorfreude auf das am 4. Dezember erscheinende dritte Studioalbum This Is War! Deshalb werde ich das mittlerweile 4 Jahre alte Vorgängeralbum A Beautiful Lie nun einer retrospektiven Betrachtung unterziehen. 30 Seconds to Mars, wer ist das eigentlich? Die Band gründete sich bereits 1999 und war anfangs ein musikalisches Experiment des Schauspielers Jared Leto (Requiem for a Dream, Lord of War) und seines Bruder Shannon. Schnell wuchs das Projekt und es wurde zu einer Band, einer Band die bald darauf einen ungeahnten Höhenflug hinlegen sollte. Das unter widrigsten Umständen aufgenommene zweite Album A Beautiful Lie entstand in einem Zeitraum von 3 Jahren und wurde auf 3 verschiedenen Kontinenten aufgenommen. Nur so ließ sich Jared Letos Schauspielkarriere mit seinen musikalischen Ambitionen in Einklang bringen. Das Ergebnis ist wirklich erstaunlich:
1. Attack: Ein unglaublich kompromissloser Einstieg, welcher gleich voll auf die Fresse gibt. Das härteste Stück reißt direkt vom Hocker und lädt zum wilden Headbangen und Mitgröhlen ein. 5/5
2. A Beautiful Lie: Ein behutsam arrangiertes Stück Rockmusik, welches durch das 2008 erschienene Musikvideo einen brisanten Subtext erhielt. 4/5
3. The Kill: Das bekannteste Stück der Band, welches auch nach 100-maligem Anhören unvergleichlich mitreißend ist. Perfekt! 6/5
4. Was It A Dream?: Diese Ballade spielt mit Versatzstück von The Cure, es entsteht dabei doch eine atmosphärische Eigendynamik. Schön! 5/5
5. The Fantasy: Geht gut nach vorne und bricht im Refrain herrlich brachial aus. Die Bridge ist brilliant. 4/5
6. Savior: Nicht zu verwechseln mit dem poppigeren Dredg-Song von 2009, präsentieren sich 30STM bei diesen Stück so hoffnungslos wie selten. Herzzerreißend! 4/5
7. From Yesterday: Hier schimmert diese unglaubliche Brillianz durch, welche die Band in ihrem besten Momenten in ihrer Musik verewigt. Das 13-Minuten-Video verschlägt einem die Sprache. Großes Kino! 5/5
8. The Story: Das einzige Stück, das sich etwas in die Länge zieht, eventuell auch weil man die The Cure-Gitarre schon bei Was it A Dream gehört hat. 3/5
9. R-evolve: Dieses genial arrangierte Stück ist eindrücklich und emotional gesungen. In der Bridge bricht es wieder so aus, dass man Gänsehaut bekommt, wie schon ein paar mal zuvor. 5/5
10. A Modern Myth: Dieser akustische Song schließt das Album perfekt ab und hinterlässt genau der Nachgeschmack, den man braucht um auf Repeat All zu drück und die Reise von vorn zu beginnnen. 4/5
Wow, was für ein Wahnsinns-Album haben 30 Seconds to Mars da aufgenommen. So viele geniale Stück auf einem Tonträger vereint. Dieses Album weiß auch nach Jahren immer noch uneingeschränkt zu begeistern. Somit sei es jedem Fan anspruchsvoller Rockmusik wärmstens ans Herz gelegt. Die Spannung auf den Nachfolger steigt.
4 1/2 von 5 in den Himmel gestreckten Fäusten für dieses Meisterstück.
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(2 Stimme(n), durchschnittlich: 4.00 von 5)
Links zum Beitrag:
- "The Kill"
- "From Yesterday"
- "A Beautiful Lie"
16. Oktober 2009
Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis: Ich habe eine Schwäche für Rockmusik mit weiblichem Frontgesang. So nun ist es raus… na und? Was ist so schlimm daran, wenn im Hintergrund die männlichen Bandmitgleider ordentlich auf die Instrumente einbrettern, während Madame vorne am Mikro alles gibt: Gar nichts! Gerade deshalb gerhören auch Paramore seit nunmehr 2 Jahren zu meinen Lieblingsbands. Die 5-köpfige Formation um Hayley Williams (20) ist nämlich quasi so etwas wie die Epitomie des modernen Frauenrock. Darum muss sich die gesammelte Konkurrenz nun auch wieder verneigen, denn was Paramore auf ihrem nunmehr dritten Longplayer Brand New Eyes abliefern, das ist absolute Spitzenklasse. Keine Übertreibung.
1. Careful: Ein harter, melancholischer Song bildet den Auftakt. Unerwartet ernsthaft aber saugut. Gerade das Zusammenspiel der Band funktioniert hier tadellos. 4/5
2. Ignorance: Dieses Stück haut in die Kerbe des Vorgängeralbums Riot! (2007) und fährt damit zwar auf einer sicheren Schiene, rockt aber so ungeniert nach vorn, dass es einen unweigerlich mitreißt. Wahnsinn! 5/5
3. Playing God: Ein Stück, dass ruhig, gar halb akustisch beginnt und sich im Refrain in eine super-einprägsame Ohrwurm-Melodie spielt. Hier wird Hayley auch beim Gesang von ihren männlichen Kollegen unterstützt. Dabei steigert sich das Stück und der behutsame Aufbau sorgt dafür, dass die Bridge zu einem richtigen Aha-Erlebnis wird. Sehr, sehr geil. 5/5
4. Brick By Boring Brick: Ein Stück, welches nach mehrmaligem Hören uneingeschränkt zu begeistern weiß. Live bestimmt ein Knaller! 5/5
5. Turn It Off: Ein scheinbar spontaner Song, welcher ein kleines Bisschen darunter leidet, dass der Refrain am Ende einmal zu oft wiederholt wird. Das tut dem Genuss jedoch keinen Abbruch. 4/5
6. The Only Exception: The only real ballad könnte das Stück auch heißen. Völlig überraschend fällt mal eben so eine Paramore-Ballade vom Himmel, welche es sogar nahezu mit We are broken vom Vorgängeralbum aufnehmen kann. Hier stellt Hayley mal wieder unmissverständlich ihr gesangliches und textliches Talent unter Beweis. Ein wunderbarer Song zum Träumen. 4/5
7. Feeling Sorry: Das Stück mit dem ungewöhnlichsten Rhytmus ist sehr treibend und aufreibend, aber gefällt immer mehr, da es grundlegend positiv ist (solche Paramore-Stücke mag ich besonders). 4/5
8. Looking Up: Ein kompromisslos fröhlicher Frontalrocker, welcher so wie er ist der zweiten Hälfte von Riot! entsprungen sein könnte. Macht einfach nur Spaß! 5/5
9. Where The Lines Overlap: Sobald Hayley und ihre Bandkollegen zusammen singen werden sie insgesamt noch besser. Das zeigt nach Playing God auch dieses neunte Stück, welches wieder so unverschämt einprägsam ist, dass man sich fragt, wo in zwei Jahren so viele gute Ideen für Songs herkommen. 5/5
10. Misguided Ghosts: Der Drahtseilakt. Nur Akustikgitarre und Gesang. Wahnsinn, sich so etwas nach 9 Bandsongs zu trauen und unglaublich was für eine Stimmung daduuch erzeugt werden kann. Gänsehaut garantiert, der Aufbau wirkt zwar teilweise holprig, aber es ist dennoch ein Traum. 5/5
11. All I Wanted: Den Abschluss bildet ein Stück, welches auch dem ersten Album All We Know Is Falling hätte entsprungen sein können. Als letztes Stück passt es gut, sonst würde es nur bedingt gehen. So aber hart, laut und wahnsinnig gut gesungen. 4/5
Um es kurz zu machen: Das Album ist der absolute Wahnsinn. So viele geniale Stücke, kein einziger Ausfall. Man möchte am liebsten sofort alle Texte lernen und sich aufs Konzert stürzen, weil diese Musik so glücklich macht. Es ist unbeschreiblich, warum ich gerade diese Band und dieses Album so unglaublich toll finde. Ich schätze es hängt damit zusammen, dass ich die Band sympathisch und authentisch zugleich finde, ihren Sound liebe und den Produzenten Rob Cavallo (Green Days American Idiot) sehr schätze. Dieses Zusammenspiel führt auch dazu, dass ich kurz davor bin, Brand New Eyes zum Album des Jahres 2009 zu erklären. Einzig 30 Seconds to Mars, welche im Dezember ihr drittes Album veröffentlichen, könnten dies hier noch übertreffen. Falls nicht, gehört Paramore die Krone welche ihnen 2007 nur Jimmy Eat World verwehren konnten.
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(2 Stimme(n), durchschnittlich: 5.00 von 5)
Links zum Beitrag:
- Paramore bei MySpace
- 3 Songs vom Album zum Anhören.
15. Oktober 2009
AFI sind für mich eine sehr besondere Band. Das liegt unter anderem daran, dass sie zu einer Hand von Bands gehören, die zwar dem “Emobereich” zugerechnet werden können, die jedoch gänzlich unpeinliche Musik produzieren. Diese Gradwanderung gelingt AFI nur aus dem folgenden Grund: Alles war man gemeinhin so als Emo bezeichnet entstand gewissermaßen um sie herum. Die Band, welche sich bereits 1991 in Ukiah, Kalifornien gründete, entwickelte seit ihren früheren Hardcore-Tagen ihren Sound stetig weiter, sodass 2003 mit ihrem 6. Studioalbum Sing the Sorrow ein Meilenstein des emotionalen Alternative Rock gelang. Der Nachfolger Decemberunderground musste sich 2006 wie kaum ein anderes Album dem Vorwurf des Kommerz aussetzen und das nur weil er erstmals in der Bandgeschichte die amerikanischen Billboard-Charts toppte. Die Frage, ob AFI mittelweile kommerzieller sind als früher stellte sich bei Album Nummer 8 (das hier besprochene Crash Love) nunmehr glücklicherweise in verminderten Maße. Man kann sich wieder mehr auf die Musik als auf das Drumherum konzentieren. Dabei fällt sofort eines auf: Das Album ist eine Wucht!!
1. Torch Song: Der Opener könnte so wie er ist direkt aus den Tagen von Sing the Sorrow stammen. Sofort wird man von dem einprägsamen Gitarrenspiel in den Bann gezogen und die Emotionalität von Davey Havoks Gesang holt einen zurück ins lang vermisste AFI-Boot. 4/5
2. Beautiful Thieves: Ein wahnsinniges musikalisches Kleinod, welches die Brillianz von Daveys Text und Gesang vereint und bei dem die gesamte Band im Einklang ihre Grandiosität unter Beweis stellt. 5/5
3. End Transmission: Ein unglaublich atmosphärisch dichter Soundteppich wird in diesem Song ausgebreitet, der mich aufgrund des Autofahrtthemas und des Gitarrenspiels hin und wieder entfernt an The Gaslight Anthem erinnert. 4/5
4. Too Shy To Scream: Den folgenden Satz muss man zweimal lesen: AFI haben für diese Platte einen Partykracher aufgenommen. Hier ist er und verbreitet eine ausgelassene Stimmung, wie man sie nicht erwartet hätte. Erinnert mich sogar an einen 80er-Jahre-Ärzte-Song. Schon komisch, aber gut. 4/5
5. Veronica Sawyer Smokes: Der von den meisten Fans missverstandene Song. Vordergründig wirkt er wie aneinandergereihtes Akkordgeschrammel, welches nichts mit der Tiefe des AFI-Sounds zu tun hat. Aber eigentlich ist dies hier eine überaus gelungene The Cure-Hommage, welche die Sehnsüchte nach Platten wie Boys Don’t Cry wach werden lässt. Unvergleichlich! 5/5
6. Okay, I Feel Better Now: Ein ruhiger gehaltenes Stück im Stil von The interview vom Vorgängeralbum. Gelungener Gegenpol zum Rest der Platte. 4/5
7. Medicate: Ein vergleichsweise harter frontaler Nahezu-Punksong, welcher einen interessanten Aufbau und einen Megarefrain mit sich bringt. Ein Kracher! 5/5
8. I Am Trying Very Hard To Be Here: Einer von zwei Songs, die mich weniger überzeugen. Wegen Miss Murder-Anleihen entwickelt das Stück keine eigenständige Dynamik, schade. 3/5
9. Sacrilege: Da sind sie wieder, AFI wie eh und je. Das zweite quasi-Sing the Sorrow-Stück des Albums (nach Torch Song) hämmert geradlinig drauflos und knüpft gleichzeitig an Medicate an. Ein weiterer Hammer. 5/5
10. Darling, I Want To Destroy You: Die Powerballade, welche Erinnerungen an Silver and Cold wach werden lässt. Überaus atmosphärisch gelungen und einfach mitreißend. 5/5
11. Cold Hands: Zu diesem Stück fällt mir nur eins ein: Strophe hart-Refrain zu weich. Dabei ist auch noch der Text doof. Reicht nur für 3/5.
12. It Was Mine: Mit Stadionrock wird der Ausklang des Albums zur 3. Ballade, welche auch einen gelungenen Abschluss darstellt. 4/5
AFI haben sich verändert und sind sich gleichzeitig treu geblieben. Auf diesem Album gibt es weniger elektronische Spielereien als noch beim Vorgänger, aber die Stromlinienförmigkeit von Decemberundergound bleibt auch hier erhalten. Insgesamt lässt sich diese neue Platte also als eine Mischung aus alt und neu beschreiben, die teilweise mit erfrischenden Akzenten versetzt wurde. Dabei kommt am Ende der Prozedur ein Album heraus, welches sogar Suchtpotential besitzt (es lief schon 9 Tage auf Dauerrotation bei mir im Auto, was etwas heißen will). Daher vergebe ist für dieses tolle Rockalbum auch völlig verdiente 4 1/2 von 5 Sternen.
Deine Wertung zum Film/Buch/Ding:




(2 Stimme(n), durchschnittlich: 4.00 von 5)
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- AFI bei MySpace
- 4 Songs zum Anhören.
19. August 2009
So, nun bin ich endlich über meinen Schatten gesprungen. Nachdem ich im Dezember/Januar schon einmal einen Meta-Artikel über Taylor Swift und die amerikanische Musikbranche (oder sollte man sagen “das zentralistische Musikimperium”) geschrieben habe lege ich nun, nach 7 Monaten, einen zweiten Artikel über die Künstlerin nach. Diesmal wird es jedoch ausschließlich um die Musik gehen, versprochen.
Fearless ist das zweite Studioalbum der amerikanischen Country-Pop-Sängerin Taylor Swift, welches am 11. November 2008 in den USA und am 15. Mai 2009 in Deutschland erschien. Meine Rezension bezieht sich auf die US-Version, welche die ursprüngliche und für mich einzige Version des Albums darstellt, wurde doch bei der europäischen Variante deutlich nachproduziert, um sie dem hiesigen Markt anzupassen. Alleine diese Schweinerei wäre schon wieder einen Artikel wert, ich will es jedoch dabei belassen, denn es geht ja um die Musik.
1. Fearless: Der Opener verzaubert mit unwiderstehlicher Melodie, romatisch-verträumtem Text und knackiger Produktion. Nach diesem Song weiß man, woran man bei Taylor ist. 5/5
2. Fifteen: Ein langsameres Stück über Teenagerliebe. Der einfühlsame Text und engagierte Gesang sorgen dafür, dass es nachhaltig im Ohr hängen bleibt. 4/5
3. Love Story: Die Leadsingle ist Radiopop in erstaunlicher Perfektion. Die Strophen verfolgen einen interessanten Spannungsaufbau und der Refrain könnte mitreißender kaum sein. Die Kombination aus akustischer, elektrischer Gitarre und Violine vollendet die Songperle. 6/5
4. Hey Stephen: Eines der drei etwas uninspirierten Stücke, welches zwar nett anzuhören ist, dem aber die Originalität fehlt. 3/5
5. White Horse: Die erste richtige Ballade, bei der wieder alles stimmt. Wunderbare Melodie, genialer Text, sehr überzeugend arrangiert. 5/5
6. You Belong With Me: Die aktuelle Single hat einen typisch teenie-mäßigen Text, welcher im Kombination mit dem Musikvideo jedoch einen unwiderstehlichen Charme entfaltet. Einfach nett! 4/5
7. Breathe: Das Duett mit Songwriter-Newcomerin Colbie Caillat (Coco, 2007) erinnert eher an ihre Musik, als an die von Taylor Swift. Durch den gemeinsamen Gesang kommt aber eine erstaunliche Atmosphäre zustande. Die Bridge ist ein Traum. Ein magischer Song zum immer wiederhören. 5/5
8. Tell Me Why: Auf jeden Taylor Swift-Album scheint es einen Lavigne-inspirierten Track zu geben. 2006 hieß der noch “Should’ve Said No”, 2008 hieß er “Tell Me Why”. Ein ungenierter Rocksong, der einfach nur Spaß macht. 5/5
9. You’re Not Sorry: DIE Pianoballade. Ganz großes Kino. 5/5
10. The Way I Loved You: Strophen sind astrein von Avril abgekupfert (nicht inspiriert) und der Refrain hätte Shania besser zu Gesicht gestandet. A bissl fad. 3/5
11. Forever & Always: Kurz vor Schluss zieht Fräulein Swift nochmal das Tempo an und kredenzt ein kleines Gitarrenpop-Juwel. Mehr davon. 5/5
12. The Best Day: Da kommen dann doch nochmal die Country-Wurzeln raus. Ist jetzt nicht schlecht aber halt auch nicht gut. 3/5
13. Change: Mit Stadionrock verabschiedet sich Taylor. Das Outro des Songs macht Lust, die Repeat-All-Taste zu drücken und es direkt wieder von vorne zu hören. 4/5
Tja, nun da ich mit der Trackbewertung durch bin, muss ich wohl zum Gesamtfazit kommen. Das fällt mir etwas schwer, da ich nun doch sehr zurückrundern muss. Geht man jetzt von der Qualität dieses Tonträgers aus, so haben wir es mit einem erstklassigen Album zu tun. Es fetzt wo es sollte, es hält inne wo es muss. Die Reihenfolge der Tracks ist perfekt abgestimmt, sodass beim Hören nie Langeweile aufkommt. Mir persönlich gefällt Taylors Wandel zu einem zugänglicheren, poppigen Stil ungemein gut. Außerdem hat sich (nach meinem letzten Artikel) herausgestellt, dass sie fast alle Songs selbst komponiert und geschrieben hat, was sie von dem Vorwurf, ein Instrument der Musikindustrie zu sein, nahezu freispricht. Ob sie jetzt singen kann oder nicht, dass spielt für die Qualität dieses Albums keine Rolle, denn hier ist jeder Ton perfekt getroffen und ihre Stimme verfügt über ein anständiges Volumen, mit der sie es schafft, ihre Songs zu präsentieren.
Wenn es das ist, was zählt, dann bleibt mir nichts übrig, als dem Album vollkommen verdiente 4 1/2 Sterne zu geben. An dieser Wertung könnte noch nicht einmal ein (hoffentlich baldiger) Konzertbesuch etwas ändern, da man auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen kann. Kommentiert mal schön!
Deine Wertung zum Film/Buch/Ding:




(2 Stimme(n), durchschnittlich: 4.50 von 5)
Links zum Beitrag:
- Taylor Swift auf YouTube
- Alle Musikvideos zum Anschauen.
- Colbie Caillat bei MySpace
- Ihr neues Album "Breakthrough" (erscheint Ende August) wird auch bald rezensiert.
18. Juni 2009
Dredg sind eine komplizierte Band. Ihre Musik ist schwer einer Sparte zuzuordnen. Die machen komplexe Rockmusik, die mit vielen unterschiedlichen Versatzstücken spielt und bei der immer etwas besonderes herauskommt. Ihr neues Album “The Pariah, the Parrot, the Delusion” ist insofern eine Überraschung, als dass der verklausulierte Albumtitel auf eine falsche Fährte lockt. Denkt man zunächst, sie würden sich wieder mehr in Richtung ihrer früheren Alben “Leitmotif” und “El Cielo” bewegen, werden diese Erwartungen schnell über dem Haufen geworfen. “The Pariah…” stellt eine konsequente Weiterentwicklung in die hellere, zugänglichere Richtung der Band dar, die sich mit ihrer letzten Platte “Catch without Arms” schon angedeutet hatte. Dabei ist ein Album herauskommen, dass man sich sogar als Soundtrack zu einer Cabriofahrt anhören kann, bei den Vorgängern noch undenkbar. Highlights sind:
Ireland, eine schwelgerische Rockballade
Gathering Pebbles, eine lockeres, beschwingtes Stück, dass gute Laune macht
Information, ein in jeder Hinsicht perfektes Stück, welches alle Zutaten hat, die sie groß gemacht haben
Saviour, ein fettes, tanzbares Lied mit Synthies und Stadionrock-Ohrwurm-Refrain
I Don’t Know, ein Stück im Stil von “Catch Without Arms”, das in die richtige Kerbe haut
Mourning This Morning, eine beschwingte Nahezu-Swingnummer, die überrascht und hängen bleibt
Quotes, die Verneigung vor “El Cielo”, Dredg wie man sie kennt und liebt
Die restlichen Stücke des Albums sind musikalische Interludien (Stamp of Origin betitelt) und teils etwas sperrige Stücke, die jedoch in den Albumkontext gehören und sich nahtlos einfügen. Dredg ist mit diesem Album das Kunststück gelungen, einen Teil ihrer Härte von einst aufzugeben und dabei doch nicht in die Belanglosigkeit abzudriften. Stücke wie “Information” demonstrieren, dass sie den Wendepunkt passiert haben: Ab jetzt müssen sie offiziell niemandem mehr etwas beweisen. Der Schritt zum Indie-Label ist da nur mehr als konsequent. Ich vergebe 4 1/2 Sterne.
Deine Wertung zum Film/Buch/Ding:




(1 Stimme(n), durchschnittlich: 4.00 von 5)
11. Juni 2009
Es war soweit! Am 15. Mai erschien nach schier endlosen 5 Jahren das lang erwartete achte Studioalbum von Green Day. Das Spannung war groß, hatte sich das Trio doch weit aus dem Fenster gelehnt, als es nach dem Megaerfolg “American Idiot” (2004) erneut ein Konzeptalbum ankündigte. Das Release dieses Albums wurde vom Medienimperium MTV gehypt, bis es auch beim letzten Deppen angekommen war. Wie sieht es denn nun aus? Was erwartet den geneigten Hörer?
Ein Blick auf die LCD-Anzeige nach einlegen des Tonträgers sorgt erst einmal für erstaunen: knapp 70 Minuten Spielzeit! Wie krass ist das bitte?? Der Verwunderung folgt Angst vor Enttäuschung. Wie soll die Band, die früher gerade mal die halbe Spielzeit zustande brachte diese Mammutaufgabe meistern? Eine Stunde und zehn Minuten abwechslungsreich unterhalten. Doch dann gehts los:
1 Song of the century - Das Intro gibt sich minimalistisch ist quasi der Prolog zum Album. 57 Sekunden Grammophonknistern und eine nette Gesangslinie.
2 21st century breakdown - Der Titelsong des Albums ist der erste Oberkracher. Hier wird konsequent alles Positive von “American Idiot” ausgespielt (ein Stück in 3 Phasen). Die Ohrwurm-Melodie wird man so schnell nicht wieder los.
3 Know your enemy - Die erste Single rockt ungeniert nach vorn, wirkt aber ein wenig uninspiriert und repetitiv. Trotzdem nett!
4 Viva la Gloria - Ein weiteres Highlight. Langsames Piano-Intro und dann rockt der Song voll auf die 12. Potentielle Single! Live bestimmt ein Renner.
5 Before the lobotomy - Anfang und Ende gut, Mitte ein wenig fad. Refrain überzeugt mich nicht so. Bridge dann wieder mehr.
6 Christian’s inferno - Simpler 90er Jahre Frontal-Punksong der einfach abgeht.
7 Last night on earth - Melancholische Pianoballade, die eine schöne Atmosphäre schafft. Leider unterscheiden sich Strophe und Refrain gar nicht, weshalb es ein bisschen langweilig wird. Aber sehr gut arrangiert. Schönes Gitarrenspiel am Ende.
8 East Jesus nowhere - Straighter Rocker, den man beim dritten, vierten Hören zu schätzen weiß, eine Art Aufwecker, nach dem schwelgerischen “Last night on earth”. Der Refrain haut rein.
9 Peacemaker - Das experimentellste Stück des Albums. Sehr linear mit der Akustikgitarre unterlegt aber vom Gesang her unkonventionell, deswegen genial. Der Refrain und die Bridge sind ein Traum, Hammersong!
10 Last of the American girls - Eines der tanzbarsten Stücke, hier unterscheiden sich Refrain und Strophe zwar auch nicht, dafür ist das Arrangement aber so ausgeklügelt, dass es nicht auffällt. Sehr charmant!
11 Murder city - Wie “Christian’s inferno” ein Kracher! Geht richtig nach vorne.
12 Viva la Gloria (Little girl) - Mit ungewöhnlichem Offbeat-Rythmus in der ruhigen Strophe und einem guten Refrain überzeugt das zweite Gloria-Lied fast genauso wie das Erste.
13 Restless heart syndrome - Boulevard of broken dreams part II, das denkt man zunächst. Der Aufbau ist ähnlich, aber die E-Gitarren kommen später und viel heftiger zum Einsatz. Melancholisch schön!
14 Horseshoes and handgrenades - Kleine Zeitreise in die 90er gefällig? Bitteschön. Rudimentär und geil!
15 The static age - Poppiges Stück, dass an die Warning-Platte erinnert.
16 21 guns - Das beste Stück des gesamten Albums haben sich Green Day fürs Ende aufgehoben: Hier werde alle ihre Stärken miteinander kombiniert. Eine halbakustische, schwelgerische Strophe und ein fetter Refrain mit mehrstimmigem Gesang und einer unwiderstehlichen Melodie. Dazu eine perfekte Bridge die in ein fulminantes Solo mündet. Formvollendet!
17 American eulogy - Beginnt mit einer Wiederaufnahme des Intros (“Song of the century”) und kracht mit “Mass Hysteria” (Part 1) richtig rein, welches dann von “Modern world” (Part 2). Am Ende kommt beides zusammen. Gut gemacht!
18 See the light - Das letzte Stück führt wieder zum Anfang hin, weshalb man das Album am liebstem direkt wieder von vorne hören will.
Puh, was für ein Mega-Album! Ich kann natürlich nicht weniger als 5 Sterne für dieses Meisterstück vergeben, was sich von selbst versteht. Wer über 70 Min. abwechslungsreich zu unterhalten weiß, hat einfach nicht weniger verdient. Sicher wiederholt sich hier und da ein Arrangement und auch nicht jedes Stück haut mich gleich stark von den Socken. Aber der Gesamteindruck ist so positiv, dass ich hellauf begeistert bin, wie Green Day es geschafft haben, nach “American Idiot” nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, sondern gleichwertig (oder besser?) nachzulegen. Hut ab!!!
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(5 Stimme(n), durchschnittlich: 4.80 von 5)
Hier nun also endlich die Muff Potter-Rezension. Warum hat es über 2 Monate gedauert, bis ich sie schreiben kann? Tja, mein Problem war von vorne herein die Qualität des Albums. Das Album ist deutlich schlechter als “Heute wird gewonnen, bitte.” (2003),”Von wegen” (2005) und “Steady Fremdkörper” (2007). Dies ist an sich nicht verwunderlich, fragte man sich doch ernsthaft, was nach dieser unglaublichen Album-Trilogie noch kommen sollte. Trilogie deswegen, weil die Kontinuitäten insgesamt so offensichtlich und doch versteckt waren. Muff Potter, das war schon immer Anspruch und Härte. Glanz und Dreck. Verrauchter Gesang und rotzige Texte. Was ist Muff Potter in 2009? Auf den ersten Blick hat sich nicht so viel verändert. “Gute Aussicht” ist ein Muff Potter-Album mit schnellen und langsamen Stücken, mit Ecken und Kanten. Die Schnellen fetzen gewohnt, die langsamen schlagen in die richtige Kerbe. Die Frage ist nun, was ist falsch? Falsch ist, dass die besten schnellen Stücke (“Rave is not rave”, “Blitzkredit Bop” und “Wir werden uns kümmern”) nicht einmal ansatzweise an Kracher wie “Das Finkelmann’sche Lachen” oder “Wenn dann das hier” (Mein Lieblingsstück von MP) heranreichen. Nicht mal ansatzweise! Das will schon was heißen. Von den langsamen Stücken atmet “Niemand will den Hund begraben” ganz tief die lyrische Muff Potter-Atmosphäre, die mich immer zum schmunzeln bringt, wenn ich mich darin wiedererkenne. “Eiskunstlauf ohne Ton” ist so ein sperriges Stück das nach und nach immer weiter wächst und schließlich auch zum Favoriten wird. Das war es dann aber schon. Alle anderen Stücke kann man getrost abhaken, weil sie weder lyrisch noch musikalisch überzeugen (mich jedenfalls nicht). Wir haben es hier also mit einer Riesenenttäuschung zu tun, die ich von DER deutschen Punkband des neuen Jahrtausends niemals erwartet hätte. Schade, Jungs. Die guten Stücke retten Euch noch so gerade eben drei Punkte (obwohl ich fest davon überzeugt war ihr würdet nie wieder ein Album schlechter als 5 Punkte machen). Naja, vielleicht in 2 Jahren wieder. Erstmal im September zum Konzert, ich hoffe ihr macht live wieder was gut!
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(1 Stimme(n), durchschnittlich: 3.00 von 5)
21. Mai 2009
Rockmusik mit weiblichem Gesang hat ein Problem: In den meisten Fällen wird ein mittelmäßig talentierte Sängerin in den Mittelpunkt einer “Band” gestellt, welche dann als Begleitensemble die Erfolgsgeschichte der bekannten Frontfrau miterleben darf. Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele. Diese Rezension erzählt von einem positiven Gegenbeispiel. Es ist die Traumgeschichte der Songwriter-Geschwister Meg & Dia Frampton, welche sich zunächst durch eine Eigen- und eine Independent-Veröffentlichung amerikaweit einen Namen machten und schließlich vom Major Warner Bros Records unter Vertrag genommen wurden. Anders ist hierbei, dass die beiden Sängerinnen hier zwar genauso im Vordergrund stehen, deren Musik aber substantiell besser ist als die anderer vergleichbarer Formationen.
Die neue Platte “Here, Here and Here” (am 21. April in den USA erschienen) wurde von niemand geringerem produziert als Howard Benson. Ebendieser zeichnete sich schon durch hevorragende Zusammenarbeiten mit My Chemical Romance (Three Cheers of Sweet Revenge [2004]) und Mêlée (Devils & Angels [2007]) aus, mit denen er sich einen Namen im Bereich der kommerziellen Rockmusik gemacht hat. Der Produzent sorgt in diesem Fall dafür, dass jeder Song genauso kracht, wie er sollte und alles die richtige Klangfülle hat. So erinnert Hug me von der Produktion her stark an Mêlée, was in diesem Fall zu begrüßen ist. Andere Stücke orientieren sich am Sound des Vorgängeralbums (Something real [2006]). Dabei ist die Songqualität durchweg auf einem sehr hohen Niveau. Es ist einfach handgemachte, spitzenmäßig produzierte Popmusik mit E-Gitarren. Als Highlights stechen die Singles What if und Black wedding hervor. Während hier schörkellos nach vorne gerockt werden darf geht es auch mal balladesk zu. Eine Speerspitze bildet hierbei sicherlich Bored of your love welches im Duett mit Tom Higgenson (Plain White T’s) eingespielt wurde und sich geschmeidig in den Albumkontext einfügt. The last great star of Hollywood sticht heraus, weil es wie eine Elektro-Tanznummer beginnt und Dia Frampton durch ihren Gesang (mit gefaktem britischen Akzent) zunächst auf eine falschen Fährte lockt. Ein kleines Ärgernis bildet die Bridge von One sail, was an sich ein klasse Song ist. Hier wird nahezu 1:1 die Akkordfolge aus Nineteen stars (vom Vorgängeralbum) kopiert. Wirkt wie ein kreativer Aussetzer, ist aber der einzige Schnitzer in die Richtung. Man könnte Meg & Dia natürlich auch fehlende Innovation vorwerfen, was ich mir an dieser Stelle sparen will. Denn wenn ich etwas nicht von diesem Album erwartet hätte, dann ist es die Qualität des Vorgängers zu halten. Und genau das haben die Schwestern und ihren 3 Bandmitstreiter geschafft. Das verdient Respekt. auch wenn die Verkaufszahlen bisher verhalten ausfallen und die Band beim nächsten Album wohl wieder nur ein kleines Label im Rücken haben wird: Dieser Major-Label-Ausflug ist ein rundum gelunges Unterfangen.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen für diese tolle Platte.
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(1 Stimme(n), durchschnittlich: 4.00 von 5)
Links zum Beitrag:
- Meg & Dia bei MySpace
- Ein paar Songs zum Anhören