Eigentlich ist es so gar nicht meine Art, verstorbene Künstler mit einem Nachruf zu würdigen. Ich halte grundsätzlich nicht viel davon, wenn Leute, die die Verstorbenen selbst nicht kannten deren Tod dazu ausnutzen um ihren Senf zu deren Werk abzugeben. Aber im Falle des Animé-Regisseurs Satoshi Kon, welcher am 24. August 2010 seinem Bauchspeicheldrüsenkrebs erlag, komme ich nicht umhim, ein paar Worte zu verlieren. Dabei treibt mich vor allem eines an: Einem einzigartigen Genie die letzte Ehre zu erweisen, bevor es nach und nach verblasst und im Meer der Vergessenheit verschwindet.
Satoshi Kon hat Animé-Filme gemacht. Im Gegensatz zu vielen anderen Regisseuren seines Fachs zählte Kon zu denjenigen, welche auch außerhalb Japans international Anerkennung finden konnten. Dies lag in erster Linie daran, dass er mit seinen Filmen stets die Konventionen des Animationsfilms hinterfragt und teilweise in seinen Grundfesten erschüttert hat. Das Überwinden der Genre-Konventionen, welches selbst in seinen ersten Langfilm “Perfect Blue” (1997) evident war, wurde zu seinem wichtigsten Markenzeichen. Dieser Film stellte etwas wahrlich Bahnbrechendes dar, denn er verdeutlichte wieviel mit dem Medium Animé zu erreichen war, wenn es sich als Pendant zum Spielfilm verstand und dessen Machart in Form der Animation umsetzte. Den Höhepunkt seines Schaffens erreichte Kon jedoch mit seinem Zweitwerk “Millennium Actress”, welches 2001 in Japan in Kino lief und hierzulande erstmals 2006 auf DVD veröffentlicht wurde. Dieser Film sprengte in vielerlei Hinsicht alles, was Animé vorher bedeutet hatte. Er ist zugleich fiktive Künstlerbiographie, Historienfilm, Science-Fiction und auf einer entrückten Meta-Ebene angesiedelt, welche den Zuschauer (genau wie “Perfect Blue”) intelektuell herausfordert. Im Hinblick auf die Regie fällt einem nur ein einziger Regisseur ein, den man mit Satoshi Kon vergleichen könnte: Christopher Nolan. Beide verstehen es auf brilliante Art und Weise, den Zuschauer zu täuschen und ihn zum aufmerksamen Zusehen zu zwingen wobei stets Anspruch mit optischer Brillianz einhergeht. Beide spielen mit der Wahrnehmung ihrer Protagonisten und der der Zuschauer, sodass sich ein Film erst nach mehrmaligem Anschauen in seiner Genialität erschließt. Letztlich war Satoshi Kon ein Genie vom Kaliber eines Christopher Nolan, mit dem Unterschied, dass sich letzterer einem viel größeren Bekanntheitsgrad erfreut.
Die letzten beiden Langfilme von Satoshi Kon gehören einer anderen Sorte an. “Toyko Godfathers” ist die herzerwärmende Geschichte dreier Obdachloser. Sie finden am Weihnachtsabend ein Baby und sind folglich gezwungen sich mit dem Kind und auch dem Sinn ihrer Existenz auseinanderzusetzen. Obwohl “Tokyo Godfathers” wesentlich konventioneller erzählt ist als Kons andere Werke zeichnet sich auch dieses Werk durch besondere Präzision aus, gerade bei der Charakterzeichnung. Satoshi Kons vierter und (wahrscheinlich) letzter Film “Paprika” (2006) ist eine Mischung aus Science-Fiction und Film Noir, in der sich, wie bei “Millennium Actress” verschiedene Realitätsebenen überlagern. Dabei ist die Inszenierung virtuos, der Film jedoch noch schwieriger zu durchdringen als “Perfect Blue” oder “Millennium Actress”. Für 2011 war “The Dream Machine” angekündigt, bei welchem noch nicht klar ist, ob er von Kons Mitarbeitern fertig gestellt werden wird.
Alles in Allem hatte ich mit diesem Artikel ein Ziel: Auf diesen genialen Regisseur aufmerksam zu machen! Sollte arte in naher Zukunft eine Reihe mit seinen Filmen ausstrahlen (wie sie es bei Miyazaki Anfang des Jahres getan haben) so kann ich nur empfehlen, sich diese Filme zu Gemüte zu führen, denn sie gehören zum Besten, was die Filmindustrie (Japans oder Amerikas, Animations- oder Realfilm) jemals hervorgebracht hat.
Nachruf für Satoshi Kon (1963-2010)
(500) Days of Summer
(500) Days of Summer beschreibt schon in den ersten Sekunden, worum es gehen wird. Wir hören einen Erzähler, der sagt:
This is a story of boy meets girl. But you should know up front, this is not a love story.
Und das ist auch so. Denn boy alias Tom (Joseph Gordon-Levitt, bekannt aus 10 Dinge, die ich an dir hasse), Grußkartenautor, trifft girl alias Summer (Zooey Deschanel, bekannt aus Per Anhalter durch die Galaxis). Er verliebt sich in sie, wird jedoch schnell mit dem Problem konfrontiert, dass sie nicht an die große Liebe glaubt. Was wir dann sehen ist die in vielen Zeitsprüngen erzählte Geschichte ihrer Beziehung, der Hochs und Tiefs, die sie durchleben und was am Ende aus ihnen wird.
Wenn ihr Filme mögt, die zwar in der Videothek unter “Romantic Comedy” einsortiert würden, aber irgendwie doch nicht ganz in dieses Regal passen, wenn ihr spontane und unmotivierte Tanzszenen nicht per se ablehnt, wenn ihr mit ein bisschen Skurrilität leben könnt, oder sie sogar mögt und wenn euch dann noch der Trailer (siehe unten) gefällt, schaut euch (500) Days of Summer an. Dieser Film ist sicher nicht für jeden etwas, doch meinen Nerv hat er getroffen. Ich weiß nicht, ob es der großartige Soundtrack mit Highlights wie “Us” von Regina Spektor ist, aber irgendetwas zieht mich in diesen Film und lässt mich, mehr als sonst, mit seinen Protagonisten mitfühlen.
Kunterbunt, todtraurig, herzerwärmend, quietschvergnügt und einfach nur schön. Viereinhalb Grußkarten für (500) Days of Summer.
Dennis
Karate Kid (2010)
O tempo’a! O mo’es! Es ist mal wieder so weit. Der allererste Karate Kid-Teil kam im gleichen Jahr wie ich auf diese Welt, gefolgt von vielen offiziellen und inoffiziellen Nachfolgern.
Nun schicken sich des Herrn Smiths Sohn Jaden sowie (mittlerweile) Altmeister Jackie Chan an, das Franchise, wie man mittlerweile sagt, wieder auferleben zu lassen.
Die Kurzfassung ist so einfach wie bekannt: Junge (Smith) zieht mit Mutter (Taraji P. Henson) nach China (China), verliebt sich in Mädchen (Wenwen Han), wird von einem Haufen Kung Fu-Schüler (bös guckende Kinder) verprügelt, findet China (China) doof, lernt von Hausmeister (Chan) Kung-Fu, zeigt’s den Bösen und alles wird gut.
Gut, bis hierher wird dies wohl niemanden überraschen. Doch wie schlagen (haha) sich Smith und Chan? Smith ist, wie zu erwarten, blass. Vielleicht liegt’s mit an der Synchro, die wie so oft enorme Schwierigkeiten mit dem glaubhaften Darstellen jedweder Jugendsprache hat. Die Montagen, in denen er über die Chinesische Mauer läuft, an einem See von Hausmeister mit Stöcken gelenkt und auf dem Dach eines Wohnblocks mit Gummifäusten drangsaliert wird, sind natürlich stimmungsvoll und einfach nur schön, doch hätte man vermutlich auch einen dressierten Holzklotz verwenden können, die Szenen hätten nicht substanziell gelitten.
Chan, den ich seit New Police Story eigentlich für “ernsthafte” Rollen abgeschrieben hatte, macht seine Sache dagegen gar nicht so schlecht. Natürlich ist seine Hintergrundstory wenig innovativ und lässt wenig Interpretationsspielraum, trotzdem kauft man ihm seinen Charakter einigermaßen ab.
James Horner untermalt die eigentlich ganz hübschen Standard-China-Motive mit feinen chinesisch anmutenden Klängen, fällt jedoch teilweise in das Standard 90er-Jahre-Musikschema zurück und sorgt dafür, dass Karate Kid mehr wie Casper oder Jumanji klingt. Doch der geneigte Zuhörer reibt sich nur kurz verwundert die Ohren und hat die Ein Hund namens Beethoven-Erinnerung beim nächsten Ooh- und Aah-erzeugenden Bild der verbotenen Stadt schon wieder vergessen.
Ein Wort noch zum Titel: Besser als Karate Kid wäre wahrscheinlich sogar der japanische Titel, übersetzt Best Kid, gewesen, denn das Kung Fu des Films hat in etwa so viel mit Karate zu tun wie Dosenfleisch mit Katzenfutter – sieht zwar für Uneingeweihte ähnlich aus, Inhalt, Konsistenz und Sinn sind jedoch leicht verschieden.
Und, sollte man Karate Kid denn nun sehen? Im Kino vermutlich nicht. Das Ganze ist, wie schon die Vorlage, ein schönes Filmchen für einen verregneten Sonntagnachmittag, das einem die schöne, lehrreiche Botschaft mit auf den Weg gibt, dass man alles schaffen kann, wenn man sich nur anstrengt (und ein gebrochenes Bein schon mal gut wegstecken kann). Mal sehen, welchem Film, den sein Junior gerne machen will, Herr Smith Senior als nächstes sein Okay gibt.
Zwei Schattentheaterpuppen für Karate Kid.
Dennis
Eclipse
Da ist er nun, der dritte Film zu Stephenie Meyers Vampirsaga Twilight. Viel ist im Vorfeld spekuliert worden, vor allem über die Umsetzung der Dreiecksgeschichte und die finale Schlacht. Doch für mich zählte im Vorfeld nur eins: Bitte kein erneuter Totalausfall wie beim direkten Vorgänger New Moon. Um es nochmal deutlich zu machen: Der zweite Film, welche im vergangenen November unter riesigem PR-Getose gestartet war zählte zu den größten filmischen Enttäuschungen des vergangenen Kinojahres. Dementsprechend waren die Erwartungen an den dritten Teil schon sehr niedrig. Doch die Beteiligung von 30 Days of Night-Regisseur David Slade ließ im Vorfeld die Hoffnung auf etwas mehr Biss (Schenkelklopfer) zu. Und tatsächlich… Slade tut der Filmreihe verdammt gut. Sein Engagement bedeutet eine Wendung zu einem düstereren, erwachsenerem Stil, welchen New Moon so schmerzlich vermissen ließ. Man fühlt sich hin und wieder entfernt an Alfonso Cuaróns grandiose Potter-Verfilmung erinnert, welche vor 6 Jahren die Herzen der Fans und Cineasten gleichermaßen hochschlagen ließ. Zwar steckt in David Slade kein Visionär, aber er verfügt über ein gewisses Gespür, seine Protagonisten unpeinlich und auch selbstironisch in Szene zu setzen. Zudem lässt Melissa Rosenbergs Drehbuch dem Dreiecksgespann auch einige lustige Momente, sodass Eclipse viel weniger als seine Vorgänger im triefendem Schmalz versinkt. Darüber hinaus gibt es auch noch deftig inszenierte, spannende Actionszenen zu bestaunen, welche wirklich mitreißen können. Demgegenüber steht natürlich noch die Handlung des Romans, welche die Geduld der Kinogänger (wie des Lesers) das ein oder andere Mal auf die Probe stellt. Bellas Probleme sich zwischen Edward und Jacob zu entscheiden nehmen im letzten Filmdrittel geradezu diabolische Züge an, sodass die einst charmante und liebenswert-tollpatschige Protagonistin eher den Hass des Zuschauers/Lesers auf sich zieht. Nichtsdestotrotz ist Eclipse eine wesentlich ausgeglichenere Partie als New Moon, welche sich qualitativ eher mit dem Erstling Twilight vergleichen kann. Daher vergebe ich auch abschließend 3 1/2 von 5 Wolfsarmbändern.
Alle Jahre wieder – WordPress 3.0
Werte Leserschaft,
auch wenn hier gerade eine kleine artikeltechnische Flaute herrscht (dieses vielzitierte “wirkliche Leben” kommt uns allen gerade massiv in die Quere), heißt das nicht, dass wir hier den technischen Stillstand zelebrieren sollten. Daher habe ich dieses kleine Blog auf die Aktuelle WordPress-Version 3.0 aktualisiert.
Wie immer: Wenn euch etwas auffällt, was klemmt (mehr als sonst), sagt mit bescheid!
Dennis
Prince of Persia
Zum ersten Mal in der jüngeren Filmgeschichte stellt ein Videospiel die Vorlage für einen Sommer-Blockbuster dar. Hm, ist das jetzt gut oder schlecht? Kommt auf die Vorlage an. Hm, Prince of Persia. Schwierig, schwierig.
So oder ähnlich lassen sich meine Erwartungen zum neuen Disney/Bruckheimer-Spektakel in Worte fassen. Allumfassende, unüberwindbare Skepsis. Doch sehen, soviel war klar, musste ich ihn doch. Was soll ich sagen? Es geht wieder bergauf… Sich nach dem unterirdischen Fluch der Karibik 2 und dem indiskutablen Fluch der Karibik 3 überhaupt nochmal in einen Bruckheimer zu trauen war das Schwierigste an der ganzen Sache. Auch Regisseur Mike Newell, welcher zuvor den genialen 4. Potter-Band zu Leinwand-Salat verarbeitet hatte, stand dieses Mal nicht sich selbst im Weg. Es war einfach Popcorn-Kino. Karte kaufen, reinsetzen, konsumieren, 15 Minuten drüber reden und vergessen. So lässt sich Prince of Persia beschreiben.
Ähm, nicht ganz. Jake Gyllenhaal war gut, ich meine richtig gut. Der sonst als Charakterdarsteller bekannte hat den persischen Prinzen mit viel Humor und gleichzeitiger Präsenz verkörpert. Auch sein Love Interest Gemma Arterton wurde hier nicht so erbärmlich marginalisiert wie kürzlich bei Kampf der Titanen. Als Prinzessin Tamina besaß sie zwar Trophäen-Charakter, konnte sich gegen den Prinzen doch zu jedem Zeitpunkt gut durchsetzen. Wirkliches Highlight des Casts waren jedoch ganz klar Ben Kingsley, der einfach jeden an die Wand spielt und Alfred Molina, welcher sich mal eben als Wüstenschurke selbst neu erfunden hat.
Die Spezialeffekte waren State of the Art, die Zeit-zurückdreh-Szenen sogar ein wenig glanzvoll. Für Kenner der Videospiele waren auch ein paar ganz nette Anspielungen dabei, etwa wenn der Prinz beim Versuch eine Wand hochzulaufen an seinem Alkoholpegel scheitert. Was mir besonders gut gefallen hat war das Sounddesign: Jeder Hieb den der Prinz so ausgeteilt hat, hat gewumst und auch sonst hat der Film es ordentlich krachen lassen. Dazu noch ein orientalisch angehauchter Soundtrack vom Altmeister Harry Gregson-Williams und Alanis Morissette im Abspann. Was will man mehr?
Naja, ich mag vielleicht ein bisschen viel rummeckern aber ein bisschen mehr Substanz hätte dem Film sicher nicht geschadet. Die Geschichte selbst, nicht die Action, war weitesgehend spannungsfrei und vorhersehbar. Das ist aber auch schon mein größter Kritikpunkt. Wer sich einen kurzweiligen und überaus unterhaltsamen Blockbuster ansehen will, der kann mit Prince of Persia nichts falsch machen. Und alle anderen sind hier eh an der falschen Adresse. Abschließend vergebe ich 3 von 5 Sanduhren.
Küss den Frosch (The Princess and the Frog)
Besser spät als nie! In den letzten Tagen nehme ich mir endlich mal wieder Zeit für Sneakcast. Mit dem Resultat, dass die medialen Ergüsse der vergangnen 3 Monate endlich auch mal eine Bewertung erhalten. In diesem Zug wird auch der neue Disney-Zeichentrickfilm Küss den Frosch diskutiert. Im Gegensatz zu Pixars oder Dreamworks’ letzten Filmen setzt das Disney-Märchen auf klassische, handgezeichnete Animation im Stile der großen 90er-Meisterwerke Arielle, Die Schöne und das Biest, Aladdin und König der Löwen. Dies bringt natürlich auch eine astronomische Erwartungshaltung mit sich, da sich besagte Filme einer weltweiten Fangemeinde und einer ungebrochenen Popularität erfreuen.
Eins vorweg: Küss den Frosch ist nicht der Neubeginn der sogenannten Disney Renaissance (1989-1994), es ist klassischer Zeichentrickfilm der alten Schule, welcher im Zeitalter von Animationsfeuerwerken wie Ratatouille oder Oben sehr konventionell daherkommt. Nichtsdestotrotz bringt der Film etwas zurück, was man verloren geglaubt hat: die Disney-Magie! Küss den Frosch profitiert von seiner Sonderstellung, die er nicht nur als neuer Disney-Zeichentrickfilm sondern auch als einziger großer Zeichentrick-Kinofilm der letzten Jahre innehat. Jedenfalls hat der Film in mir ein besonderes Bedürfnis angesprochen, welches die Pixar-Werke trotz ihrer Genialität nicht erfüllen können. Es ist die Gewissheit, dass die klassische Animation, mag sie ihren Zenit schon vor einem Jahrzehnt überschritten habe, noch nicht gänzlich in Vergessenheit geraten ist. Diese Gewissheit macht aus Küss den Frosch, welcher im Jahr 2000 in dieser Form für niemanden eine Überraschung dargestellt hätte, etwas Besonderes und Einzigartiges.
Dabei dreht sich die Geschichte um die Kellnerin Tiana, welche im New Orleans der 1920er Jahre ihrem großen Traum von der Eröffnung eines eigenen Restaurants entgegen spart. Ihr Freundin aus Kindertagen, Charlotte läd sie zu einem großen Fest ein, zu dem auch der berühmte Prinz Naveen erscheinen soll. Leider wird besagter Prinz von einem Vodoo-Magier in eine Falle gelockt und in einen Frosch verwandelt. Der verwandelte Prinz gelangt zum Anwesen von Charlottes Familie, wo er auf Tiana trifft. In der Hoffnung, durch einen Kuss von der Verwandlung befreit zu werden, bittet er Tiana um diesen Gefallen. Leider hat der Kuss die gegenteilige Wirkung, sodass Tiana auch in einen Frosch verwandelt wird. Fortan ziehen die beiden los um einen Weg zu finden, den Zauber zu lösen.
Der Film präsentiert sich, wie dieser Inhaltsangabe zu entnehmen ist, als klassisches Märchen, welches mit den typischen Disney-Zutaten garniert ist: es gibt Musik (komponiert von Randy Newman), schrullige Nebencharaktere, rasante Momente und eine große Portion Romantik. Dabei wissen die beiden deutschen Stars Roger Cicero und Cassandra Steen als Naveen und Tiana sehr zu gefallen. Gerade Roger Ciceros Synchronleistung ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass er eigentlich kein ausgebildeter Schauspieler ist. Gesanglich liefern die beiden ebenfalls eine gelungene Vorstellung ab.
Insgesamt ist Küss den Frosch ein wunderbarer Zeichentrickfilm geworden, welcher sich in die traditionsreiche Disney-Kollektion einreiht, durch Romantik, Humor und Musik zu begeistern weiß und den klassischen Zeichentrickfilm um ein weiteres Meisterwerk bereichert. Trotzdem bleibt Küss den Frosch hinter der Genialität oben genannter Werke zurück, weswegen ich guten Gewissens 4 1/2 von 5 Glühwürmchen vergebe.
New Super Mario Bros. Wii
Es mag merkwürdig anmuten, dass ein gestandener Nintendo-Fan wie ich es bin ein dermaßen prominentes Videospiel erst einmal 8 Wochen sacken lassen muss, bevor es ihm möglich ist, es auf unserer netten Sneakcast-Seite zu rezensieren. Sicherlich würde es mir nicht schwer fallen, allerhand Vergleiche zu früheren Mario-Jump & Runs heranzuziehen, die übliche Leier von der perfekten Steuerung und dem ausgeklügelten Leveldesign herunterzubeten, am Ende eine Wertung zwischen 4 und 5 Powersternen herausspringen zu lassen und jedem Sneakcast-Leser ein bestätigendes Lächeln auf die Lippen zu zaubern.
Ich habe mich dagegen entschieden!
New Super Mario Bros. Wii ist der im November 2009 erschienene direkte Nachfolger zum Nintendo DS-Knaller New Super Mario Bros. von 2006 und damit wären wir auch schon direkt beim Problem. Die Spiele sind nahezu identisch!!! Ohne die abgedroschene Übertreibungs-Keule herauszuholen, kann man sagen, dass NSMB Wii seinem Vorgänger gleicht wie ein Ei dem anderen. Es gibt die gleiche Anzahl an Welten (8), jede Welt beinhaltet 2 Schlösser, es gilt in jedem Level 3 Goldmünzen zu sammeln, mit denen nachträglich neue Levels freigeschaltet werden können. Alles kalter Kaffee! Zudem atmet das Spiel den unweigerlichen Retro-Charme, welcher den Vorgänger in höchste Wertungsregionen katapultierte. Allerdings entwickelt sich hier eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit zum Beinbruch. Hieß es es in der Presse früher (2006): “Wow, eine moderne und frische Neuinterpretation des NES-Klassikers!”, so blieb (zumindest in meinen Augen) von dieser Entzückung im Jahr 2009 nicht mehr viel übrig. Zwar konnte das Spiel in der Fachpresse gute Kritiken einheimsen, aber es wurde auch heftig kritisiert. Es ist das erste Mario-Spiel, bei dem Nintendo sich die Kritik gefallen lassen muss, ihr größtes, wichtigstes und beliebtestes Franchise zu melken wie eine eierlegende Wollmilchsau. Und diese Kritik kommt hier auf Sneakcast wohlbemerkt von einem großen Bewunderer, welcher Super Mario World, Super Mario 64 und Galaxy zu den besten Spielen, die je geschaffen wurden, zählt. Im Vergleich zu diesen unvergesslichen Meisterwerken fühlt sich New Super Mario Bros. Wii einfach altbacken an. So als hätten die Entwickler diesmal den Schuss nicht gehört!
Aber wenn man von dieser berechtigten Kritik einmal absieht und hinnimmt dass es diesmal “Aus Japan nichts Neues” gibt, dann weiß das neueste Mario-Spiel durchaus zu gefallen. Die eingangs erwähnte Steuerung ist (mal wieder) brilliant und gewährt dem Spieler, der die Wiimote seitlich wie ein NES-Pad in der Hand hält, die nahezu optimale Kontrolle über den Star-Klempner. Die Steuerung ist auch dafür verantwortlich, dass nie unfair Situationen der Marke “Ich hab doch gedrückt, wieso ist der nicht gesprungen?” enstehen. Das Spiel ist zu keinem Zeitpunkt unfair, aber dafür auch nicht besonders fordernd. Ich als alter Mario-Hase habe das Spiel in einer Woche durchgespielt ohne von morgens bis abends vor der Konsole zu hängen. Dies liegt aber auch daran, dass das Leveldesign immer wieder zu begeistern weiß, sich jedoch ein Abwechslungsreichtum à la 64 und Galaxy nicht einzustellen vermag. So bleibt am Ende ein zwiespältiger Eindruck zurück, der den Spieler einerseits nach mehr verlangen lässt (Es hat Spaß gemacht!) und andererseits eine leichte Enttäuschung hinterlässt (Habe ich zweimal dasselbe Spiel gespielt?). Aus diesem Grund ringe ich mich zu einer positiven Abschlusswertung durch, die man als “altbacken, aber spaßig” zusammenfassen könnte. Der Multiplayer ist von dieser Bewertung ausgenommen, da ich ihn noch nicht testen konnte.
7/10 (und damit weit unter Mario-Durchschnitt)
Heavy Rain
How far are you prepared to go to save someone you love? Unter diesem Motto steht das neue Spiel von Quantic Dream, Heavy Rain. Viel ist in den vergangenen Wochen über dieses Spiel geredet und geschrieben worden und auch ich möchte jetzt, da das erste Durchspielen schon ein paar Tage her ist, ein paar Worte dazu verlieren.
Zunächst: Warum sollte man überhaupt über Heavy Rain reden? Was macht das Spiel so besonders? Nun ja, in erster Linie, dass es sich nicht anfühlt, wie ein Spiel. Gibt es sonst eine (mehr oder weniger starke) Trennung zwischen den Szenen, in denen der Spieler die Kontrolle über die Figur übernimmt und den Szenen, in denen er nur unbeteiligter Zuschauer ist, wirkt hier das gesamte Spiel wie eine einzige Cutscene, auf die wir als Spieler jedoch Einfluss nehmen können. Jede Entscheidung, so lernen wir relativ schnell, hat ihre Folgen und sorgt dafür, dass sich der spätere Spielverlauf teils entscheidend ändert. Selbst der Tod eines Charakters führt nicht zum sonst unvermeidlichen Game Over, sondern führt die Geschichte in einer anderen Richtung fort.
Apropros Geschichte: Heavy Rain hat davon einiges zu bieten. Hier der Kurzabriss der Teile der Story, die wohl für alle Spieler gleich sein werden: Ethan Mars, glücklich verheirateter Vater von zwei Kindern, verliert einen seiner Söhne bei einem Autounfall, seine Ehe scheitert und er leidet unter heftigen Blackouts. Als sein zweiter Sohn vom so genannten Origami-Killer entführt wird, stellt sich auch ihm die eingangs schon gestellte Frage: Wie weit wird er gehen, um seinen Sohn zu retten?
Doch wir sind als Ethan nicht allein unterwegs. Wir treffen Madison Paige, die Ethan als wandelnde Krankenschwester immer wieder zusammenflickt, Scott Shelby, den bärbeißigen aber liebenswerten Ex-Cop, der nun als Privatdetektiv ebenfalls nach dem Origami-Killer fahndet und den FBI-Agenten Norman Jayden, der, ebenfalls auf diesen Fall angesetzt, sich mit der örtlichen Polizei herumschlagen muss.
Mehr soll hier nicht verraten werden, nicht nur, weil die Story, die sich entfaltet, so unglaublich gut erzählt ist, dass ich euch hier nicht den Spaß verderben will, sondern auch, weil es die Story überhaupt nicht gibt. Es gibt so viele Entscheidungsmöglichkeiten und Wendepunkte, dass vermutlich kaum zwei Spieler das selbe Spiel spielen werden.
Aber nun zum Spiel selbst: Für Heavy Rain wird häufig der ominöse Begriff interaktiver Film verwendet, der in den neunzigern wegen scheußlich schlechter Umsetzungen eher als Schimpfwort galt. Hier ist er jedoch mehr als gerechtfertigt. Zum einen ist die Inszenierung so cineastisch, dass sie den Vergleich mit Hollywood-Thrillern wie Sieben oder Saw nicht zu scheuen braucht. Zum anderen basiert die Steuerung nicht auf dem bekannten “drück X zum Springen”-Prinzip, sondern setzt auf so genannte “quick time events”. Hier erscheinen, wenn der Charakter etwas tun kann, Symbole auf dem Bildschirm. Entweder muss der Spieler nun Tasten drücken oder eine abstrahierte Bewegung mit den Analog-Sticks ausführen. Gerade in Gesprächen mit anderen Charakteren entfaltet diese Technik ihr volles Potential: Hier schwirren die einzelnen Gesprächsoptionen meist ruhig, wenn der Charakter aufgeregt ist aber auch zitternd, über den Bildschirm. Der Spieler hat nun – wie in einem wirklichen Gespräch ja auch – nur eine bestimmte Zeit, den Verlauf des Gespräches zu beeinflussen.
Man merkt Heavy Rain durchaus an, dass Quantic Dream mit Fahrenheit (in den USA Indigo Prophecy) vor einigen Jahren schon Erfahrung im Genre gesammelt haben. Damals teils noch etwas unbeholfen, setzten sie dort aber schon Erzähltechniken wie Split-Screens oder gezielte Kamerafahrten ein, um die Spannung zu erhöhen. Dies wird nun bei Heavy Rain perfektioniert und sorgt zusammen mit der Story, die glücklicherweise nicht in irgendwelche abstrusen Mystery-Phänomene abdriftet, zu einem großartigen Spielerlebnis. Hat man dann den Abspann vor sich, stellt man sich unwillkürlich die Frage: Was wäre denn gewesen, wenn ich diese Sequenz anders gespielt hätte? Wäre mein Charakter dann noch am Leben? Hätte ich den Killer vielleicht doch gefunden? Und schon geht es in die nächste Runde…
Heavy Rain ist ein Brocken, der – abgesehen von einigen kleinen Patzern – Bombast-Grafik fürs Auge und eine Bombast-Story fürs Hirn bietet. Angekündigt ist auch die Lieblings-Cash-Cow der Spieleindustrie: Downloadable Content, in dem ihr die Vorgeschichte der einzelnen Charaktere erleben und spielen könnt. Ob sich das lohnt, müsst ihr selbst wissen.
Ich jedenfalls bin von Heavy Rain begeistert wie von kaum einem anderen Spiel in den letzten Jahren. Fünf von fünf Origami-Figuren. Top!
Dennis
- Die offizielle Seite
- Games und so Game Club: Heavy Rain
- Ein zweieinhalbstündiger Podcast zu Heavy Rain. Achtung: Größte Spoilergefahr!
- Trailer zum Spiel
Grand Theft Auto IV (PC)
Vor circa zwei Monaten beendete ich ein großartiges Videospiel. Grand Theft Auto IV, welches im April 2008 für PlayStation 3 und Xbox 360 und im Dezember 2008 für den PC erschien, das ist ein weltbewegender Meilenstein der Videospielgeschichte. Die folgende Rezension wird versuchen, die Gründe dafür zu umreißen.
Die Geschichte des Spiels stellt den Protagonist Niko Bellic in den Mittelpunkt, welcher anfangs in Liberty City (einer veränderten Nachbildung New Yorks) ankommt und fortan auf der Suche nach dem amerikanischen Traum ist. Hierzu muss er, wie in den vorigen GTA-Teilen, verschiedene Aufträge erfüllen und sich in der Hierarchie des organisierten Verbrechens nach oben arbeiten. Diese klassische Prämisse (sie unterscheidet sich kaum von der des 2001 erschienenen GTA III) nutzt das Spiels aber auf solch kongeniale Art und Weise, dass der Spieler unweigerlich in eine andere Welt gesogen wird. Dies hängt mit drei Hauptfaktoren zusammen:
1. Realismus:
Alle vorangegangenen Teile der Spielereihe (hier sei besonders auf GTA III, Vice City und San Andreas verwiesen) zeichneten sich durch einen einheitlichen Grafikstil aus, welcher die Akteure zwar menschenhaft, jedoch comichaft-satirisch-überspitzt in Szene setzte. GTA IV ist natürlich auch satirisch-überspitzt angelegt. Bei den Synchronstimmen ist Pathos und Overacting an der Tagesordnung und auch sonst geizt das Spiel nicht mit Selbstironie. Allerdings läutet GTA IV eine neue Ära in der Geschichte des Franchises ein, da auf eine comichafte Darstellung von Charakteren und Spielewelt zugunsten einer photorealistischen Darstellung verzichtet wurde. Diese Entscheidung der Gamedesigner äußert sich jedoch nicht nur während den (phänomenalen) Zwischensequenzen. Der Grad des Realismus ist in der gesamten Spielverlauf integriert und bestimmt (nahezu) alles. Autos lassen sich nicht mehr, ohne zu bremsen, um 90-Grad-Kurven steuern. Der Protagonist stirbt sehr schnell, wenn er sich mit der Polizei anlegt. Die Kleidung der Hauptfigur ist nass, nachdem er im Wasser war. Explosionen erzeugen realistischen Rauchentwicklung. Es gibt Momente, da erwischt einen der neuartige Realismus eiskalt, so zum Beispiel wenn Nico Bellic mit Vollgas gegen ein Hindernis fährt und folgerichtig durch die Frontscheibe auf die Straße geschleudert wird. Diese Momente kommen einem Erwachen aus der Traumwelt der PS2-GTAs gleich, in welchen andere Elemente den Spielalltag bestimmten. Die Eingewöhnungszeit (gerade im Bezug auf die neuartige Fahrzeugsteuerung) verlangt dem Spieler einiges ab, jedoch wird man mehr als entsprechend belohnt und wer sich einmal auf diesen neuen Realismus einlässt, der will nie wieder zurück.
2. Spielewelt:
Un-glaub-lich! Das ist die prägnante Zusammenfassung der ersten (nicht auftragsgebundenen) Spielminuten. Wenn man die Straße vor Nikos erstem Unterschlupf betritt und den „Bewohnern“ von Liberty City bei ihren alltäglichen Aktivitäten einfach nur zuschaut, dabei kann schon so manche Spielstunde draufgehen. Passanten tragen Einkaufstaschen umher, telefonieren mit ihren Handys oder begehen Verbrechen. Diese Verbrechen werden, genau wie die des Spielers, von der Polizei geahndet. So rückt auf einmal eine Streife an und der Spieler denkt: „Die sind hinter mir her.“ Stattdessen wird man unmittelbarer Zeuge einer Verhaftung, inklusive Megaphon-Ansage, Drohung und Abführung. Hier bricht der zuvor beschriebene Realismusgrad herein, welcher die ganze Spielewelt determiniert. Zudem weiß das Spiel mit vielen liebevollen Details, wie einem graphisch eindrucksvollen Tag- und Nachtwechsel (diese Sonnenaufgänge!!!) oder einer intakten Straßenreinigung zu begeistern. Man hat einfach zwischenzeitlich das Gefühl, diese Stadt existiert wirklich.
3. Missionen/Gameplay:
Der Realismus und die Spielewelt für sich allein genommen würden jedoch keinen gestandenen GTA-Fan hinter dem Ofen hervorlocken, wenn es nicht eine gigantische Fülle an Aufträgen in dieser Welt zu erledigen gäbe. Im Singleplayer-Modus ergibt sich allein durch diese Aufträge eine Spielzeit von 40 Stunden, was sich durch aus mit dem direkten Vorgänger (San Andreas, 2004) messen kann. Besonders gut ist diesmal die Integration der Aufträge in die Geschichte des Spiels gelungen, sodass etwa 80% der Missionen im direkten Zusammenhang mit der Haupthandlung stehen, während die restlichen eher als Nebenmissionen gelten können. Man spielt das Spiel quasi in Abschnitten. Mal holt man sich Aufträge von Auftraggebern ab, zu anderen Zeitpunkten wird man auf dem Handy angerufen und eine Mission beginnt direkt. Diese unvermittelten Missionen haben oft Event-Charakter und machen dementsprechend besonders viel Spaß. Neben diesen Event-Missionen gibt es natürlich auch das GTA-typische „Füllmaterial“, welches sich aber in erfreulichen Grenzen hält. Im Bezug auf die Missionen ist auch die einzige nennenswerte Schwäche des Spiels zu nennen: Scheitert man bei einer Mission hat man zwar die Möglichkeit, sie per Handy direkt von vorn zu beginnen, allerdings muss man immer wieder dieselbe Fahrstrecke zurücklegen um an den Ort des Geschehens zu gelangen. Dies ist gerade bei späteren Missionen, die zum Teil 5-10-minütige Fahrstrecken durch die gesamte Stadt vom Spieler verlangen, ein wahres Ärgernis. Dieser Frust fällt allerdings nicht so stark ins Gewicht, wenn man eine der Highlight-Missionen spielt und diese erfolgreich abschließt. Beste Beispiele sind hier: Der Banküberfall und die letzte Mission. Diese Highlight-Missionen sind Beispiele davon, wie nah GTA IV in seinen besten Momenten an das perfekte Spielerlebnis heranreicht. Diese Highlights sorgen auch dafür, dass die Motivationskurve (trotz langer Spieldauer) nie abflacht und man immer wissen will, wie es weitergeht.
Um es auf den Punkt zu bringen: GTA IV, das ist ein phänomenales Ereignis digitaler Unterhaltung. Es hat im vergangenen Jahrzehnt lediglich zwei Spiele gegeben, die der Genialität und der Spieltiefe dieses Meisterstücks ebenbürtig sind: Resident Evil 4 (2005) und The Legend of Zelda: Twilight Princess (2006). Diese drei Titel markieren die Speerspitze der Unterhaltungsgattung Videospiel. Die Tatsache, dass sich GTA IV ganz oben einreihen darf spricht auch dafür, dass die Serie (nach vergangenen Erfolgen) nun auch einen festen Platz im Kanon der Next-Gen-Konsolen innehat. Man darf auf der nächsten Teil der Serie mehr als gespannt sein!
10/10


(3 Stimme(n), durchschnittlich: 4.33 von 5)